biografie

Jeder Mensch sucht nach Ausdruck. Martin Reinfeldt, 1980 in Stralsund geboren, fand diesen bereits im Kindesalter in der Musik. Songs der 50er, 60er und 70er Jahre (als Tonbandaufnahme oder gespielt über den Britischen Armeesender BFBS) prägten seinen Musikgeschmack. Einen besonderen Stellenwert hält Van Morrison.

Nach ersten eigenen Song-Textversuchen wählte Martin 1998 die Gitarre als Begleitinstrument und erhielt Unterricht. Auch neben dem Studium an der Fachhochschule für Verwaltung in Güstrow befasste er sich vorwiegend mit Musik.

Nach Abschluss des Studiums 2001 arbeitete er bei der Stadtverwaltung Stralsund. Im Mittelpunkt standen weiterhin das Schreiben von Liedtexten, das Singen und das Gitarre spielen. In diesem Jahr hatte Martin seinen ersten Bühnenauftritt bei einem Sommerfest in Güstrow.

Ab 2004 spielte er mit der Band travelogue verschiedene Auftritte in Stralsunder Bars und Clubs. Die Bandmitglieder waren über das musikalische Schaffen hinaus auch freundschaftlich verbunden, was das Experimentieren mit Musik vereinfachte, Bewegungsfreiraum und Kreativität förderte.

Bei einem einwöchigen Jazz-Workshop ergründete Martin die Improvisation in der Musik und begegnete dadurch auch seinen eigenen Liedern neu. Die Improvisation, als Kommunikation begreifend, hatte erheblichen Einfluss auf seine persönliche Weiterentwicklung. Der Mensch interpretiert die Musik und die Musik interpretiert den Menschen. Martin entdeckte den Tango.

Ende 2006, im Gepäck große Lebensfragen, reiste er für einige Wochen nach Argentinien, sich selbst mit Fragen zu begegnen, deren Antworten nicht länger beeinflusst werden sollten von „Allerweltsboden“.

Diese Reise zeigte Wirkung. Im Sommer 2007 löste Martin sich von seinem bisherigen Arbeitsleben und zog mit dem Notwendigsten nach Berlin. Der Verlust von Sicherheit gebar neuen Mut. Er jobbte, tanzte Tango, hatte hin und wieder Auftritte als Gitarrist bei der Sängerin und Songwriterin Andrea Bruins. Die ihm angebotenen Impulse nahm er wahr und bewies, dass man Fliegen am besten erlernen kann, wenn der Boden zwischenzeitlich auch einmal entschwindet.

Entsprechend seiner Tendenz für überraschende Umbrüche entschied er sich für ein Entwicklungshilfeprogramm in Afrika und ging nach einem intensiven Vorbereitungskurs schließlich als Berater und Entwicklungshelfer nach Cotonou, Benin. Das In-Kontakt-Treten mit westafrikanischer Musik und Kultur, damit auch den Ursprüngen von Salsa und Blues, trug überdies dazu bei, dem eigenen Schaffen nicht auszuweichen. Auf unzähligen Konzertbesuchen sammelte er Inspiration.

Auch seine Frau, eine Künstlerin aus Benin, konnte er hier kennen lernen. Gemeinsam mit ihr ging er 2010 als Berater in einem Entwicklungsprojekt nach Tunis, Tunesien. Inzwischen verheiratet, leben und arbeiten sie hier.

Im Januar 2012 entstand die erste Aufnahme seines Songs „Schon viel zu spät“ in einem Studio in Tunis.

 

Stefanie Raasch, Freie Autorin